[Gastrezension: Astrid] Thomas Sautner “Der Glücksmacher”

SautnerAuf der Suche nach dem Glück zu sein, ist ja sehr en vogue. Ich brauche nur willkürlich irgendeine Frauenzeitschrift aufzuschlagen und finde darin unter Garantie eine Anleitung zum Glücklichsein: Glücklich werden für Eilige. 20 Tipps für ein glückliches Leben. Oder so. Wenn ich ehrlich bin, dann findet sich unter meinen Wohnaccessoires auch das ein oder andere gerahmte Sprüchlein à la Enjoy the little things. Aber warum auch nicht. Manchmal ergibt das Leben eben keinen erkennbaren Sinn oder man lässt sich verblenden von Dingen, die wichtig erscheinen, ohne es zu sein. Dann den Blick auf das kleine Glück zu richten, hilft mir tatsächlich oft, um auf dem Boden zu bleiben.

Sebastian Dimsch in Thomas Sautners Roman Der Glücksmacher wird eines morgens ebenfalls vom kleinen Glück gekitzelt und will es nicht so schnell wieder hergeben. Es muss doch eine Möglichkeit geben, dass das Glück dauerhaft bei einem bleibt. Also macht er sich auf die Suche nach dem Glück und stellt schnell fest, dass Alkohol nicht immer eine Lösung ist und der Umzug in die Großstadt zwar die Perspektive ändern kann, aber nicht per se glücklicher machen muss. Auch alle gesteckten Ziele zu erreichen, halten das Glück nicht fest. Alles wird irgendwann alltäglich, auch die tolle Frau und die süßen Kinder. Aber schon viele schlaue Köpfe der Weltgeschichte haben sich mit dem Glück beschäftigt und Sebastian beschließt alles zum Thema zu lesen, so wird er sicher die eine Formel finden. Gut, dass es gerade in der Versicherungsgesellschaft nicht so gut für ihn läuft. Das firmeninterne Abstellgleis entpuppt sich als erster Glücksfall, denn so hat Sebastian Zeit zum Lesen und setzt damit eine Entwicklung in Gang, die auch für den Leser Überraschungen und Glücksmomente bereit hält.

Große Erwartungen hatte ich nicht an den Roman, schließlich lese auch ich ab und an Frauenzeitschriften und kenne die Empfehlungen zum Glück. Doch der Jahresanfang erschien mir nur allzu passend für die Lektüre und zudem war ich neugierig, was Thomas Sautner mir wohl für eine Geschichte erzählen will. Und ich wurde überrascht. Den Roman zu lesen, hat Spaß gemacht. Der Erzähler behält sich vor, seine Figuren allzu ernst zu nehmen und entwirft schön aus der Distanz ein Ensemble an Charakteren, die teilweise absurd und teilweise erschreckend bekannt daher kommen. Sautner zeigt mir Leser auf eine manchmal sogar schmerzvolle Weise auf, wie wichtig jeder Einzelne sich nimmt, mich Leser eingeschlossen, und wie sehr unser Miteinander von missverständlichen Interpretationen des Gegenübers geprägt ist. So leicht die Story daherkommt, die Figuren angelehnt an Stereotypen und Klischees sind – Sautner trifft mit ihnen dennoch genau den Kern und zeigt auf unterhaltsame Weise die Probleme unserer egoistisch geprägten Gesellschaft auf. Nebenbei schnappt man viele kluge und schöne Sprüche von weisen Menschen der Vergangenheit auf, die man nicht verstehen, sondern nur fühlen muss. Das kleine Glück eben:

Du musst das Leben nicht verstehen,
dann wird es werden wie ein Fest.
Und lass dir jeden Tag geschehen
so wie ein Kind im Weitergehen
von jedem Wehen
sich viele Blüten schenken lässt.

Sie aufzusammeln und zu sparen
das kommt dem Kind nicht in den Sinn.
Es löst sie leise aus den Haaren,

drin sie so gern gefangen waren,
und hält den lieben jungen Jahren
nach neuem seine Hände hin.

Rainer Maria Rilke

Thomas Sautner “Der Glücksmacher”, Aufbau Verlag, ISBN: 978-3-351-03510-5

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[Gastrezension: Iris] „Die Farben der Hoffnung“ von Lavanya Sankaran

978-3-257-06907-5Die Autorin Lavanya Sankaran entführt uns mit ihrem Roman „Die Farben der Hoffnung“ in ihr Heimatland Indien. Dort treffen wir auf die Familie von Anand K. Murthy. Er ist Besitzer einer Autozuliefererfirma und steht kurz davor ein großes internationales Geschäft abzuschließen. Hierfür aber muss er die Firma vergrößern. Weil das auf dem eigenen Firmengelände nicht möglich ist, sucht er Bauland. Doch das ist in Bangalore gar nicht so einfach zu finden. Anand versucht jedoch sein Glück und gerät dabei in große Schwierigkeiten. Nicht ganz unbeteiligt daran ist sein Schwiegervater der, ganz anders als Anand selbst, gerne bereit ist im politischen und korrupten Gerangel des Landes mitzumischen.

Im Haushalt von Anand und dessen Frau Vidya arbeitet Kamala, eine alleinerziehende Mutter, die um das tägliche Überleben für sich und ihren pubertierenden Sohn kämpft. Das ist nicht immer leicht und Kamala sieht sich innerhalb des Hauses ihrer Dienstherren so einigen Intrigen ausgesetzt.

Mit „Die Farben der Hoffnung“ ermöglicht die Autorin ihren Lesern einen guten Einblick in das heutige Indien und damit in ein Land, in dem ohne Schmiergelder und Beziehungen wohl gar nichts läuft. Egal, ob arm oder reich, hier funktioniert das Leben immer nach einem recht einfachen Schema. Dennoch sind die Unterschiede für den einzelnen Betroffenen riesengroß.

Indien ist farbenfroh, die Menschen dort hegen große Hoffnungen. Ob sich die Träume aber erfüllen werden, hängt von vielen Faktoren ab. Das wird in dieser Geschichte sehr deutlich und anhand einiger Beispiele sehr detailliert beschrieben.

Ich habe mich gut unterhalten gefühlt mit diesem Roman, der mir wieder einmal vor Augen geführt hat, wie unterschiedlich wir Menschen auf dieser Welt denken und leben und wie schwierig oder oft auch aussichtslos es ist, sich bestimmten Dingen im Leben entgegenzustellen.

Lavanya Sankaran erzählt ihre Geschichte trotz der vielen Widrigkeiten des Lebens mit spürbarer Leichtigkeit. Bunte Lebensvielfalt, gekonnt erzählt.

Lavanya Sankaran “Die Farben der Hoffnung”, Diogenes Verlag, ISBN: 978-3-257-06907-5, aus dem Englischen von Kathrin Razum

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[Gastrezension: Christina] Andrej Kurkow – Der wahrhaftige Volkskontrolleur

„Das ist nicht dein Humor“ war der erste Satz, den ich von einer Freundin, als sie mich mit dem Roman Der wahrhaftige Volkskontrolleur von Andrej Kurkow in der Hand sah, hörte. Das gab mir zu denken. Ist dieses Buch wirklich komisch? Laut Klappentext ist hier von viel schwarzem Humor die Rede. Und ja, schwarzen Humor gibt es hier wirklich viel. Ich hab zwar im Geschichtsunterricht während meiner Schulzeit aufgepasst, dennoch habe ich das Gefühl, dass ich nicht genug Hintergrundwissen habe, um alle Seitenhiebe auf die damalige Sowjetunion zu verstehen. Dennoch: Einiges konnte ich zuordnen und es brachte mich sehr zum Lachen. Beispielsweise als Schüler vor die Aufgabe gestellt wurden, einen Aufsatz über die Liebe zum Vaterland, ihre Familien, „die Erbauer des Kommunismus“ (102) oder wovon ihre Väter träumen, gestellt wurden.

Doch im Roman geht es um noch viel mehr: Es geht um Angst und Vertrauen, Liebe und Hass, Freundschaft und Rivalität und vor allem um die Treue zum Vaterland, sei sie erzwungen oder freiwillig. Der Leser lernt in vier Handlungssträngen völlig verschiedene Charaktere kennen. Sie sind alle vom Autor detailliert, authentisch und feinfühlig beschrieben. Da gibt es Pawel, ein einfacher Bauer, der Frau, Kind und seinen geliebten Hund verlassen muss, da er zum Volkskontrolleur berufen wurde. Er stellt sein Vaterland nicht in Frage, dient verantwortungsbewusst und in bestem Willen. Dann gibt es einen Engel. Er verließ freiwillig den Himmel in der Hoffnung eine dringende Frage beantworten zu können: Kein Mensch in diesem Land schafft es ins Paradies. Woran liegt das? Später lernt der Leser den Schuldirektor Banow kennen, der sich in die Stiefmutter eines Schülers verliebt. Zuletzt taucht der Künstler Mark mit seinem Papagei, der patriotische Gedichte über die Sowjetunion aufsagen kann, auf. Alle Erzählstränge stehen für sich allein, ein Aufeinandertreffen der Personen findet nicht statt.

Am schönsten finde ich den Erzählstrang über den Engel. Er schließt sich einer Gruppe von Menschen an, die alle das Gelobte Land suchen, um noch einmal ganz neu anzufangen. Zuerst dachte ich, sie jagen einem unerfüllbaren Traum hinterher. Doch sie finden tatsächlich das Gelobte Land und können ein neues Leben aufbauen. Ich mag die Sichtweise des Engels. Wie aus den Augen eines Kindes beobachtet er auf fast schon naive Art den Aufbau einer neuen Gemeinschaft. Er traut sich, unangenehme Dinge anzusprechen, ohne Missgunst der anderen befürchten zu müssen. Lustig war auch die Erzählung über den Volkskontrolleur. Pawel war so unglaublich gutmütig, treu und naiv, dass es schon fast wehtat. Nicht einmal zu einer abstoßenden Nationalspeise, „Organe eines Rentiers“, konnte Pawel nein sagen, um seinen Gastgeber nicht zu kränken. Ihm ging es immer nur um das Wohlbefinden anderer, nie um ihn selbst.

Der Ton des Romans schwankt zwischen ernst, lustig und schelmisch. Er wirkt an manchen Stellen ironisch, an anderen Stellen konnte ich den angeschlagenen Ton nicht dem Inhalt zuordnen. Der Roman verlangt volle Aufmerksamkeit, dennoch lässt er am Ende viele Fragen offen. Vielleicht erschließt sich ja mehr nach einer zweiten Lektüre.

Der wahrhaftige Volkskontrolleur von Andrej Kurkow, Haymon Verlag, ISBN: 978-3-85218-679-5, aus dem Russischen von Kerstin Monschein

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[Gastrezension: Christina] Kaspar Schnetzler – Kaufmann und das Klavierfräulein

„Kaufmann und das Klavierfräulein“ von Kaspar Schnetzler erzählt eine Familiensage, die über drei Generationen reicht. Die Geschichte beginnt einem Besuch von Cecilia, die Freundin des verstorbenen Protagonisten Paolo Mari, bei Neukomm, Präsident des Kaufmännischen Vereins in Zürich. Sie bittet den Präsidenten ein von Paolo geschriebenes Buch zu lesen. Aus Papieren und anderen Dokumenten, die Paolo im Archiv des Vereins gefunden hat, schrieb er eine Geschichte nieder, die immer mehr seine eigene geworden ist. Mit dem Präsidenten zusammen wird der Leser in diese Binnenhandlung gezogen – und erfährt die ganze Lebensgeschichte von Paolo von Beginn an.

Was zunächst spannend klingt, entpuppt sich als schwere Kost, die darum bemüht ist, keck und frisch zu klingen. Die Erzählung ist distanziert, man hat Schwierigkeiten sich in die Charaktere hinein zu versetzen. Ich wurde das Gefühl nicht los, dass ich ein trockenes Buch der europäischen Geschichte lese, das versucht, Themen der Politik, Gesellschaft und Liebe in die Handlung hineinzuzwängen. Die Liebesbeziehung von Paolos Großeltern beispielsweise wird im Roman als modern beschrieben. Paul respektiert seine Frau Amelie und unterstützt sie in ihrer beruflichen Laufbahn, was im 20 Jahrhundert durchaus noch nicht selbstverständlich war. Ihre Beziehung ist liebevoll. Dennoch wirkt alles sehr künstlich, man ist als Leser nicht hautnah dabei. Beide sind mit einem Mal miteinander verheiratet. Der Autor schien sich nicht getraut zu haben, eine Liebesbeziehung in all seinen Facetten zu beschreiben.

Auch die Beziehung zum Sohn Johann wirkt unecht. Die Mutter liebt ihren Sohn über alles, stellt sich aber für ihn nicht gegen ihren Mann. Sohn und Vater kommen mit dem Erwachsenwerden Johanns nicht mehr miteinander aus. Zu unterschiedlich sind ihre politischen Ansichten. Johann bricht den Kontakt zu seinen Eltern ab, wandert ins faschistische Italien aus, ändert sogar seinen Namen zu Giovanni Mari und heiratet dort eine Italienerin, die Tochter seines Arbeitsgebers. Aus ihrer Ehe geht ebenfalls ein Sohn hervor: Paolo. Mit der Erzählung von Johanns Lebenswandel geht endlich ein wenig Spannung auf. Giovanni gibt Paolo nach Ende des Zweiten Weltkriegs an Verwandte in die Schweiz, mutterseelenallein, um ihn zu retten. Paolo findet also mit der Arbeit am Roman seine eigenen Spuren und stirbt er natürlich nach Fertigstellung des Romans – um dem Ganzen ein wenig Dramatik zu verleihen.

Kaspar Schnetzler “Kaufmann und das Klavierfräulein”, Bilger Verlag, ISBN: 978-3-03762-012-0

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[Gastrezension: Judith/leseloop] Iris Hanika: Wie der Müll geordnet wird

Iris Hanika: Wie der Müll geordnet wird

Herzlichen Glückwunsch zum Klick auf diese Rezension!

Bei der folgenden Rezension haben Sie sich für einen Text mit hohem Kreativitätspotenzial entschieden. Die Stilistik, Sprache und Wortwahl des nun folgenden Abschnitts wurden nach bestem Wissen und Gewissen aus dem natürlich nicht zu übertreffenden Original übernommen, mit impliziter Kritik versehen und schließlich zu einem lesbaren Text verarbeitet.

Falls Sie auch in Zukunft ebensolche Texte über Romane verschiedenster Autorinnen und Autoren lesen möchten, besuchen Sie uns auf unserer Webseite.

Lektüre

Antonius heißt in Wahrheit gar nicht Antonius. Diesen Namen hatte er sich ausgedacht. Vielmehr war Manfred sein richtiger Name und seine Begleiterin Antonina hieß in Wirklichkeit Renate. Der Vollständigkeit halber muss hier erwähnt werden, dass Antonina nur ausgedacht war, also nicht real, sondern Antonius sie erfunden hatte, um sich nicht mehr einsam zu fühlen, obwohl er sich früher immer unwohl gefühlt hatte, wenn er nicht einsam war.

Hintergrundinformation

Antonius hieß in Wirklichkeit auch nicht Manfred. Sein Name war Adrian. Seinen Zweitnamen Antonius hatte er ausgewählt, um von der Vergangenheit Abstand zu nehmen. Er stellte sich allerdings gerne vor, dass ihm als Kind der Name Manfred besser gefallen hätte, er stellte sich vor, dass er sich vorstellte, dass Adrian, sein richtiger Name, nicht zu ihm passen würde. Außerdem stellte er sich vor, dass er sich vorstellen könnte, allein durch die Vorstellung, jetzt Antonius zu sein, eine neue Identität zu entwickeln und so in seiner Vorstellung nicht mehr Adrian sein zu müssen.

dichterische Verarbeitung

Adrian ist Antonius manfredisierend. Antonius ist Manfred adrianesk. Renate schreibt in ein oranges Heft.

(Antonius kannte Renate eigentlich kaum. Ihm war lediglich bekannt, dass sie ein oranges Tagebuch in einer schwierigen Phase ihres Lebens geführt hatte, das er beim Ordnen des Hausmülls im falschen Container gefunden hatte. Denn Antonius konnte kein Altpapier im Restmüll dulden. Der Leser bzw. die Leserin sollte sich an dieser Stelle, spätestens aber nach einigen Seiten, bewusst machen, dass das Leben des Antonius eine sinnlose aber alle Sinne ansprechende Zustandsbeschreibung ist. Wer Handlung in Romanen gewohnt ist, der kann auch direkt zum zweiten Teil des Buches springen. Demjenigen sei allerdings nahegelegt, dass er das Beste verpasst. Oft führt der steinige Weg zum schöneren Ziel.)

as we get older and stop making sense

Antonius hatte, um die größtmögliche Sinnlosigkeit in sein Leben zu integrieren, eine Liste erstellt, um möglichst sinnlose Tätigkeiten aufzuzählen, diese zu erledigen und damit sein sonst leeres Leben zu füllen. Diese Listen waren sein Ausweg aus der tristen kaum möblierten Wohnung, die aber besser war, als das Irrenhaus. Dort hatte sich Adrian wohl gefühlt, nicht aber Antonius.

Müllkontrolle

Antonius hatte sich nach dem Führen zahlreicher Listen über sinnlose Dinge, wie etwa UNANGENEHME STIMMEN oder SCHWACHSINN DES TAGES, dazu entschlossen, der sinnlosesten Tätigkeit überhaupt, den Müll anderer Menschen zu sortieren bevor die Müllabfuhr kam und den Müll in automatische Mülltrennungsanlagen brachte, nachzugehen.

Hintergrundinformation

Diese Tätigkeit gab seinem Leben Sinn. Das Ordnen des Mülls glich eines Ordnens seiner Gedanken, die oft wirr durcheinander flogen. Das vorliegende Buch ist schon wirr genug, wie Antonius’ Geisteszustand wechseln Sprache und Stil im Akkord.

Antonius fehlte die Fähigkeit, Reize richtig zu interpretieren, also konnte er mit Emotionen ohnehin nichts anfangen. Sie waren nur da.
ODER
auch nicht.

Müllkontrolle

Wir halten fest: Mülltrennung ist eine sinnlose Tätigkeit. Sie gibt, nicht wegen des Sinns sondern wegen der Tätigkeit, dem Leben Sinn. Ergo: Sinnlose Tätigkeiten sind gar keine, sondern kommen einem nur so vor. Das Lesen dieses Buches hingegen ist keine sinnlose Tätigkeit, besonders dann nicht, wenn man virtuose Sprachfertigkeit und kreative Textgestaltung mag.
Ironie statt Pathos,
Stil statt Inhalt. Dann kann man sich viel abschauen.

Zusammenfassung

Müll nimmt eine tragende Rolle in Antonius’ Leben ein. Die Trennung des selben steht für den Willen nach Recycling, nach Erneuerung. Und für das Loslassen von alten belastenden Erinnerungen. Deshalb kommt Renates Tagebuch auch in den Restmüll. Um eben gerade NICHT recycelt zu werden.

Fazit:

Ein sprachlich oder stilistisch vielfältigeres Buch hatte ich persönlich noch nie in der Hand. Zeilenweise – oder zumindest mehrmals pro Seite – wechseln Stil, Inhalt, Wortwahl und sogar Format. Fußnoten reihen sich neben Überschriften und Exkurse, „Hintergrundinformationen“ gehen nahtlos über in „dichterische Verarbeitungen“. Man könnte sagen, es fühlt sich beim Lesen tatsächlich so an, als würde man einen Blick in den Kopf eines Autisten werfen können. Oder ist der Protagonist doch eher schizophren?

Das Buch besteht aus drei Teilen, die wirken, als hätte Iris Hanika erst nach dem Fertigstellen beschlossen, sie als ein einziges Buch zu veröffentlichen. Der erste Teil liest sich in etwa wie der oben geschriebene Text – der innere Monolog eines psychisch kranken und/oder schwer traumatisierten Autisten. Der zweite Teil enthält Hintergrundinformationen – und etwa fünf Geschichten anderer Personen, auktorial und einheitlich erzählt, die eigentlich nicht nötig wären, um den ersten Teil bzw. Antonius’ Seltsamkeit zu erklären. Der dritte Teil verbindet die ersten beiden Teile und verstärkt die Vermutung, dass die Teile getrennt voneinander entstanden seien.

Hanika spielt mit komplexen Erzählstrategien, die man wahrscheinlich erst nach einem zweiten Lesen – und auch dann nicht vollständig – durchschaut. Aber selbst, wenn einem Handlung oder Kontext zu komplex sind, zahlt es sich allein des Stils wegen aus, einen Blick ins Buch zu werfen.

* * *

Mein Name ist Judith, ich bin Germanistin und Kulturwissenschaftlerin mit Spezialgebieten Neuere deutsche Literatur und Kreatives Schreiben. Auf meinem Blog  veröffentliche ich Rezensionen über zeitgenössische österreichische Literatur in Form von sogenannten „Loops“ – Rezensionen im Originalstil des Buchs. Das macht nicht nur Spaß, sondern zeigt auch gleich meinen Leserinnen und Lesern, ob ihnen sowohl Inhalt als auch Stil eines Buchs gefallen könnten. Außerdem blogge ich über Lesungen, Festivals und kreatives Schreiben in und um Österreich. Schau vorbei, wenn dir meine Rezension gefallen hat.

P.S.: Ich verlose übrigens alle Rezensionsexemplare, die ich nicht aus der Bücherei oder einer Bibliothek ausleihe, an meine Newsletter Abonnenten und Facebook Fans.

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“Ostende 1936, Sommer einer Freundschaft” Volker Weidermann

“Denn wenn wir lesen, was tun wir anders als fremde Menschen von innen heraus mitzuleben, mit ihren Augen zu schauen, mit ihrem Hirn zu denken?” (132, Stefan Zweig)

Ostende 1936, Sommer einer Freundschaft” von Volker Weidermann kennt wahrscheinlich inzwischen jeder, so oft wurde das Buch bereits beworben und besprochen. Und in höchsten Tönen gelobt. Auch vor ein paar Tagen hat Sonja dieses Buch im Adventskalender des KiWi-Verlages empfohlen. Ich möchte mich gerne dieser Kette der Lobeshymnen anschließen, auch wenn ich versuche, es kurz und knapp zu machen.

Was sagt man über ein Buch, das so viele Leser und Kritiker bereits erwähnt haben?

Weidermann erzählt von einer außergewöhnlichen Freundschaft zwischen dem erfolgreichen Schriftsteller Stefan Zweig und dem alkoholabhängigen und an Geldmangel leidenden Autor Joseph Roth. Krieg liegt in der Luft, Unzufriedenheit und Sorgen.

“Man muss diesen Gedanken und das Wissen um kommende Sintflut, Krieg, usw. verdrängen, wenn man schreiben will. Man kann sonst nicht schreiben. Dazu braucht man Alkohol. Es kommt dabei nur darauf an, gut und weise zu trinken. Ein Künstlerberuf ist nun mal unrettbar, unentrinnbar von Stimmungen abhängig.” (70)

Im Sommer 1936 trafen sich einige Autoren und Angehörigen des Literaturbetriebes im belgischen Badeort Ostende, um ihren Sorgen zu entkommen, um die Freundschaften und die Liebe zu feiern, um das Leben zu feiern. Hier traf Roth die Schriftstellerin Irmgard Keun und eine leidenschaftliche Beziehung nahm in Ostende ihren Anfang. Hier trafen sich Zweig und Roth noch einmal.
Klein aber fein ist das Büchlein von Volker Weidermann, das den Sommer 1936 in Ostende beschreibt. Es ist ein wehmütiges Buch, ein schön geschriebenes, gut lesbares und informatives Stück Dokumentarliteratur. Es macht Lust, die Werke der großen Literaten zur Hand zu nehmen und sie zu lesen, denn man hat das Gefühl, ein minimales Hintergrundwissen erhalten zu haben und dieses erweitern zu wollen.

Nach der Lektüre des Buches und nachdem Weidermann mich mit Irmgard Keun bekannt gemacht hat, freue ich mich sehr auf ihren Roman “Kind aller Länder”, der im Februar 2016 im Kiepenheuer & Witsch Verlag erscheinen wird. Dort wird die Geschichte von Joseph Roth und Irmgard Keun, die in Ostende begann, weiter gesponnen.

“Ich erinnerte mich an wichtige Entscheidungen, die mir von Büchern kamen, an Begegnungen mit längst abgestorbenen Dichtern, die mir wichtiger waren als manche mit Freunden und Frauen, an Liebesnächte mit Büchern, wo man wie in jener anderen den Schlaf selig im Genuß versäumte;” (132, Stefan Zweig)

“Ostende 1936, Sommer einer Freundschaft” Volker Weidermann, Kiepenheuer & Witsch Verlag, ISBN: 978-3-462-04600-7

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J. J. Abrams und Doug Dorst “S. – Das Schiff des Theseus”

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„S. – Das Schiff des Theseus“ ist in diesem Herbst in aller Munde und das zurecht. Es ist ein Kunstwerk und es begeistert mein bibliophiles Herz jedes Mal, wenn ich es in die Hand nehme. Auf verschiedenen Social Media Kanälen wurden zahlreiche Bilder des Buches und seiner Beilagen veröffentlicht. Diejenigen, die das Buch in den Händen halten durften, sind begeistert. Aber lohnt es sich wirklich, die Mühe auf sich zu nehmen, das Buch zu lesen? Ist es nicht zu verwirrend oder zu kompliziert? Macht es wirklich Spaß in die Geschichten, die auf diesen Seiten auf so raffinierte Art und Weise erzählt werden, einzutauchen?

Ich bin froh, vor der Lektüre des Buches, die Rezension auf dem Blog Zeilensprünge  gelesen zu haben. Hier wird dem Leser nicht nur eine Zusammenfassung des Textes geboten, sondern auch Interpretation und Entschlüsselung des Geschehens. Mit diesem virtuellen Spickzettel war es für mich ein wahres Vergnügen, mich auf die spannenden Geschichten einzulassen.

Schnell stellte ich fest, dass man das Buch auf zwei Arten lesen kann – entweder man seziert es, untersucht unter der Lupe jeden Satz und versucht jede Szene zu erklären, oder man lässt sich in der Geschichte treiben, hinterfragt nicht zu viel, sondern versucht, den Faden, ja mehrere Fäden nicht zu verlieren. Die erste Möglichkeit ist ziemlich anstrengend, die Zweite macht einen Höllenspaß.

Ich will das Buch nicht interpretieren müssen, denn dagegen wehre ich mich inzwischen, nachdem mein Studium und meine Ausbildung einige Jahre zurück liegen. Was ich aber will, ist Euch zu berichten, wie froh ich über diese Herausforderung bin und dass ich sie angenommen habe. Dass  ich diesen hervorragenden Thriller gelesen habe und in eine Liebesgeschichte eingetaucht bin. Zugleich ist dieser Kunstwerk ein wahnsinnig gut komponierter Abenteuerroman, der den Leser staunen lässt. Man kann sich leicht in der Komplexität des Werkes verlieren. Er erfordert die ganze Aufmerksamkeit beim Lesen. Es werden Spuren gelegt, man muss vor- und umblättern, die beigelegten Zettel und Karten lesen, zwischen den Zeilen lesen, Rätsel lösen. Das Abenteuer wird nie langweilig, schon dank der vielen Beilagen, die Zwischen den Seiten zu finden sind.

„S. – Das Schiff des Theseus“ ist grandios. Den vielen Ohs und Ahs, was die Qualität des Buches angeht, möchte ich mich anschließen. Ich bin begeistert. Ich bin aber auch glücklich darüber, dass das Buch nicht nur ein bibliophiles Kleinod ist, was die Gestaltung angeht, sondern mich auch mit dem Inhalt vollkommen überzeugt hatte. Man darf einfach keine Angst davor haben, in die Geschichte einzutauchen. Denn wer es schafft, sich zwischen den einzelnen Gedankengängen und Erzählsträngen zurecht zu finden, wird mit einem wunderbaren Abenteuer belohnt, bei dem das eigene Gehirn trainiert wird und bei dem man die Welt mit all seinen Sorgen und Ängsten für einige Stunden vergessen kann.

Wer von Euch noch ein Geschenk für seine Lieben sucht oder nicht weiß, was er sich schenken lassen soll, dem empfehle ich, „S. – Das Schiff des Theseus“ in die engste Auswahl z

u nehmen. Kauft es! Verschenkt es! Lest es vor allem! Es lohnt sich.

Und wer immer noch nicht überzeugt ist, ob das Buch was für ihn ist, der kann die Blogparade zum Buch im Bücherwurmloch verfolgen. Mariki bietet auf ihrem Blog noch zusätzliche Infos an. Viel Spaß beim Stöbern.


J. J. Abrams und Doug Dorst “S. – Das Schiff des Theseus”, Kiepenheuer & Witsch Verlag, ISBN: 978-3-462-04726-4, Aus dem amerikanischen Englisch von Tobias Schnettler und Bert Schröder

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Wo liest Du am liebsten?

Als der Kiepenheuer & Witsch Verlag fragte, wo ich am liebsten lese, fiel mir die Antwort nicht schwer. Am Meer natürlich. Aber nicht nur…

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Das hier ist ein Bild, auf dem zwei meiner Leidenschaften zu sehen sind: ein Buch und das Meer. Ich liebe das Wasser und wenn ich nur könnte, würde ich mir am Strand ein kleines Häuschen bauen lassen, um dort den Wellen zu lauschen und in wundervolle Geschichten einzutauchen. Ich lese jedoch nicht nur am Strand gerne, denn ans Meer komme ich leider nicht oft. Ich lese überall: auf dem Sofa, im Bett, beim Zähneputzen, beim Essen, in der Straßenbahn oder – wenn das Buch besonders gut ist – auch wenn ich laufe. Ich lese nicht nur gedruckte Bücher, sondern auch digitale, weswegen ich meine eBooks immer auf dem Handy dabei habe.

Wo liest Du am liebsten?

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“Das Zigarettenmädchen” von Ratih Kumala

Schlicht und unverwechselbar ist die Gestaltung der eBooks aus dem Culturbooks Verlag. Zoë Beck und Jan Karsten gründeten ihren eigenen Verlag, um Texte zu verlegen, die ihnen gefallen und die ihnen am Herzen liegen. Seit Oktober 2013 können nun Leser gute, spannende, literarische und äußerst interessante Bücher und Autoren aus diesem Verlag kennen lernen. Da ich den eBooks nicht abgeneigt bin, habe ich mich mit dem Programm des Verlages mit seinen verschiedenen Labels, wie Longplayer, Maxi, Single oder Unplugged, auseinander gesetzt. Digital habe ich meine ersten Texte von Zoë Beck gelesen und die wunderbare Pippa Goldschmidt schätzen gelernt.

kumala-zigarettenmädchen-print240Zur Frankfurter Buchmesse mit dem diesjährigen Ehrengast Indonesien gab der Verlag sein erstes Unplugged-Buch heraus. “Das Zigarettenmädchen” von Ratih Kumala erschien nicht nur als eBook sondern auch als Printbuch. Leider gibt es bisher nicht viele Übersetzungen aus dem Indonesischen und ich als großer Indonesien-Fan war sehr glücklich, “Das Zigarettenmädchen” zu lesen. Klar, ich hätte es auch als eBook lesen können, aber wenn ich wählen darf, denn lese ich doch lieber gedruckte Bücher. Ich weiß, dass nicht jeder gerne eBooks liest oder einen eReader hat. Deswegen finde ich diese Entwicklung des Verlages äußerst spannend und marktorientiert. Auf diese Weise lernen mehr Leser den Verlag kennen und Ihr stimmt mir sicherlich zu – gedruckte Bücher lassen sich in einer Buchhandlung besser präsentieren als eBooks, deren Cover auf eine Postkarte gedruckt sind. Ich finde es gut, dass die Verlage beides anbieten können – sowohl eBooks als auch gedruckte Bücher; das ist für mich die perfekte Mischung.

“Das Zigarettenmädchen” ist ein guter und solider Roman, eine spannende Liebesgeschichte. Ratih Kumala erzählt die Geschichte von zwei indonesischen Familien, die im Zigarettengeschäft tätig waren und deren Schicksale miteinander verbunden waren. Ich persönlich hätte mir mehr Informationen über das Land selbst und seine Geschichte gewünscht. Dieser Wunsch ändert jedoch nichts an meiner Meinung, dass es sich hier um ein gutes Buch handelt. Ich nehme die mir angebotene Geschichte des Zigarettenmädchens an und lausche der Erzählung über die Verwirrungen der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts in Indonesien. Gleichzeitig lese ich auch von einer Versöhnung und Schuldbegleichung. Es ist eine harte und traurige Geschichte, die mich zutiefst berührt.

Kumala hat einen unaufgeregten Roman geschrieben und mir das Zigarettengeschäft in Indonesien nahe gebracht. Da ich inzwischen drei mal auf den Inseln sein und mehrere Kretek-Zigaretten rauchen durfte, erinnere ich mich dank des Buches gerne an die unbeschwerten Momente in Indonesien und an das Knistern der Nelken während des Rauchens (“Kretek-kretek machte es, als die geschroteten Gewürznelken in der Zigarette knisternd verbrannten.” 41) und natürlich an den unverwechselbaren Geschmack und Geruch der Zigaretten. Inzwischen rauche ich schon lange nicht mehr, aber während der Lesens wollte ich immer wieder das mir noch übrig gebliebene Päckchen aufmachen, eine Zigarette anzünden und den Nelkenduft inhalieren. Ich blieb standhaft und hoffe, das gelingt auch allen Nichtrauchern während des Lesens des Romans, denn die Autorin beschreibt den Genuss des Rauchens sehr bildhaft und einladend.

“Vater hat recht, dachte Tegar, Rauchen öffnet die Gedanken. Es war, als trüge der Rauch ihn in den Himmel hinauf.” 

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Wer sich für Indonesien (und seine Zigaretten) interessiert und wer eine gute, nicht kitschige, Liebesgeschichte sucht, der sollte unbedingt zu diesem Buch greifen und den unverwechselbaren, oft nüchternen, asiatischen Erzählstil kennen lernen. Es lohnt sich auf jeden Fall, “Das Zigarettenmädchen” von Ratih Kumala kennen zu lernen.

“WARNUNG
Rauchen fügt Ihnen und den Menschen in Ihrer Umgebung erheblichen Schaden zu. Rauchen führt zur Verstopfung der Arterien und verursacht Herzinfarkt und Schlaganfälle. Rauchen kann zu Durchblutungsstörungen führen und verursacht Impotenz. Rauchen lässt Ihre Haut altern. Raucher sterben früher.”

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“Das Zigarettenmädchen” von Ratih Kumala, Culturbooks Verlag, CB Unplugged, ISBN:978-3-95988-004-6

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“Mein phantastischer Ozean” gezeichnet von Johanna Basford

Als ich vor knapp zwei Jahren zum ersten Mal vor einem Regal mit Ausmalbüchern für Erwachsene stand, war ich ein bisschen skeptisch. Denn sie waren in ein Regal mit der Überschrift Esoterik einsortiert und damit kann ich – ehrlich gesagt – nichts anfangen. Kurze Zeit später traf ich die Ausmalbücher wieder – in einer anderen Buchhandlung standen sie in einem Entspannungstechniken-Regal. Ich nahm eines mit und wusste gleichzeitig, dass ich keine Zeit haben werde, in dem Buch zu malen. Weil ich eben viel zu

beschäftigt und viel zu gestresst bin, um mich hinzusetzten und zu malen. Ich muss doch noch Haushalt erledigen, das Kind versorgen und pflegen, Geld verdienen, Ehefrau sein. Außerdem bin ich doch schon viel zu alt dafür. Aber weil ich ein Bücherfreak bin und ich viele ungelesene Bücher in meinem Regal stehen habe, warum soll ich dann kein Malbuch dazwischen stellen? Es sieht doch schön aus und vielleicht kann ich es dann meiner Tochter geben, wenn sie älter ist… Ihr merkt schon, welche Gedanken mich begleitet hatten, als ich das erste Ausmalbuch gekauft hatte.

Bis eines Tages meine Tochter zu mir gesagt hatte: “Mama, Du kannst auch ein Bild ausmalen”, während sie in ihrem Malbuch gekritzelt hatte. Da holte ich mein Mandalabuch aus dem Regal und fing an, ein Bild auszumalen. Seitdem hat sich meine Ausmalbücher-Sammlung vergrößert, ich male aus, sooft ich kann und fast immer dann, wenn meine Tochter ihre Bücher holt und ich gerade nicht kochen muss.

Als ich vor einiger Zeit in einer Buchhandlung auf die Zeichnungen von Johanna Basford aufmerksam wurde, stand ihr Ausmalbuch “Mein Zauberwald” bei den Malbüchern für Kinder. Damals habe ich es nicht gekauft, weil meine Tochter dafür noch viel zu klein ist, ohne daran zu denken, dass auch ICH es ausmalen könnte. Denselben Fehler sollte man nicht zwei Mal begehen, deswegen darf ich nun “Mein phantastischer Ozean” von Johanna Basford mein Eigen nennen. Und ich liebe jede einzelne Seite in dem vor Kurzem im Fischer Verlag erschienenen Buch. Es ist vielfältig, detailreich, fein gezeichnet, teilweise anspruchsvoll und wahnsinnig entspannend. Die Künstlerin bietet in ihrem Buch nicht nur ein paar Bilder zum Ausmalen an, sondern nimmt uns mit auf eine Reise durch die Meere, in eine Unterwasserwelt der Extraklasse. Sie gestaltet mit ihren Zeichnungen ebenfalls ein Wimmelbuch, lädt uns ein, an einer Schatzsuche teilzunehmen, um Kronen, Diamantenringe, Perlen oder Gold zu finden. Am Ende des Buches befindet sich ein großes Poster, das man an die Wand hängen könnte.

Inzwischen haben viele Verlage in ihrem Programm Ausmalbücher für Erwachsene und ich habe mir einige davon angeschaut und ausprobiert. “Mein phantastischer Ozean” übertrifft viele dieser Bücher in Qualität und sorgt für wunderschöne Malstunden, für Ruhe und Entspannung.

Und so male ich aus – im Kampf gegen den Stress, gegen Trauer und Wut, wenn die Gedanken rasen und der Kopf vor lauter Achterbahnfahrten zu explodieren droht. Ich möchte Euch ermutigen, es selbst zu versuchen.

“Mein phantastischer Ozean” gezeichnet von Johanna Basford, Fischer Verlag, ISBN: 978-3-596-03579-3

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