Was geschehen musste, war geschehen und würde geschehen…

“Schule der Gaukler” von Olivier Sillig
Bilger Verlag
ISBN: 978-3-3762-008-3

“Schule der Gaukler” des Künstlers Olivier Sillig liest sich wie ein Märchen für Erwachsene.

An diesem Buch stimmt alles: Wunderschön und liebevoll herausgegeben ist das Buch ein wahres Prachtstück. Der Inhalt ist durchkomponiert und spannend geschrieben mit unglaublichem Gefühl für die Sprache. Denn es ist nicht nur ein Roman sondern auch eine unangestrengte Sprachlektion. Hier ist die Rede von Idiomen, Eigennamen und Diphtongen, die so gekonnt in die Geschichte mit eingeflochten wird, dass die linguistischen Ausführungen nicht stören sondern bereichern.

Es ist kalte Nacht. Die Kinder trinken Alkohol und tanzen, damit ihnen warm wird. Sie haben ja schließlich keine anständigen Klamotten, nichts zu essen und nur Geschichten, die sie am Leben halten. Aber nicht mehr lange, denn in dieser Nacht werden sie alle sterben. Alle, bis auf den Waisen Tiécelin, der von Hardouin, einem Gaukler, vorm Erfrieren gerettet wird.
Tiécelin hat zuerst große Angst vor dem älteren Mann, aber nach und nach lernt er den Gaukler besser kennen. Der Junge erfährt, dass Hardouin bei einem Kartenspiel das “Ding”, einen in Alkohol konservierten Hermaphroditen, gewonnen hat. Daraufhin hat er sich einen Wagen bauen lassen und stellt das Ding seitdem auf Märkten zur Schau. Dazu braucht er aber einen Gehilfen und findet diesen in Tiécelin. Hardouin bringt seinem Assistenten den neuen Beruf bei und gemeinsam begeben sie sich auf eine spannende Reise, die quer über die Märkte Südeuropas führt.

Schon bei der ersten gemeinsamen Marktschau treffen sie auf die Hellseherin Grand Macabre, die Tiécelin die Geschichte des Dinges erzählt. Aber ob es wahr ist, was sie über den Hermaphroditen Carlocarla berichtet, woher er stammt und wie er in den Glasballon gelangte? Das wird Tiécelin nie erfahren. Trotzdem ist die Geschichte so beeindruckend, dass Tiécelin das Ding fortan als Freund betrachtet. Mit der Zeit lernt Tiécelin nicht nur das bunte Jahrmarktleben kennen, sondern beginnt auch ein eigenes Leben zu führen. Er wächst heran und wird zu einem selbstständigen Mann, schließt Freundschaften und gründet eine eigene Familie. Trotzdem wird er immer ein Leben in Bewegung führen und auf diese Weise auch schmerzhafte Verluste erleiden müssen.

Wer sich auf “Schule der Gaukler” einlässt, wird eine bunte Reise über die mittelalterlichen Märkte von Europa, nach Lissabon, Venedig und Isfahan und durch deren Geschichten antreten.

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4 Antworten auf Was geschehen musste, war geschehen und würde geschehen…

  1. ricco bilger sagt:

    liebe dorota, liebe leserinnen und leser dieses blogs
    schliesst euch dem phantastischen gauklertrupp um hardouin, tièce, ava und all den anderen an, – auf seinem nie ankommenden weg zu allen, die sich zwischen lisboa und isfahan für das unglaublich schöne begeistern lassen und die den tod für jene tröstliche klammer halten, zwischen der das leben in seiner ausufernden art zu schillern vermag. in der literatur am besten und verführerischsten.
    mille grazie für diesen schönen text, dorota.

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