Wo die Sandflöhe lachen und Enten die besten Haustiere sind…

“Zwischen allen Wolken” von Michael Gantenberg
Scherz Verlag
ISBN: 978-3-502-11063-7

Es ist ein schwieriges Unterfangen, das neue Buch von Michael Gantenberg “Zwischen allen Wolken” zu rezensieren. Denn ich besorgte mir das Buch auf Grund einer Rezension der Klappentexterin, die schon so viel und schön über dieses Buch geschrieben und sogar den Autoren interviewt hat. Während des Lesens war ich also von der Klappentexterin sozusagen beeinflusst. Doch dann plötzlich entschied sich auch Flattersatz, “Zwischen allen Wolken” zu lesen und sehr ausführlich darüber zu berichten. Nun musste ich feststellen, dass auch hier bereits einige meiner – kritischen – Gedanken ausgesprochen wurden. Und jetzt? Soll ich die dritte sein, das Zünglein an der Waage? Nein, das möchte ich auf keinen Fall, denn jeder liest ja schließlich anders. Ich möchte aber ebenfalls meine Eindrücke mit Euch teilen, so unvoreingenommen wie es nur geht.

Sylt kann jeder, Nördrum nur du!
Mit diesem Motto war die kleine Insel früher an der Nordsee bekannt. Inzwischen ist dieser Spruch den Bewohnern einfach nur noch peinlich. Hier leben Gesa und Wilko mit ihren Eltern und dem Rest der Familie Petersen. Gemeinsam führen sie eine Pension für Touristen, das Möwennest. Jeder von den Petersens scheint auf seine eigene Art und Weise eine Macke zu haben. Tante Nele betrügt ihren Mann mit den männlichen Touristen, während dieser am Strand auf Schatzsuche ist, und Oma ist auf dem Festland als “Wattfee” berühmt, die kinderlosen Paaren doch noch zum Familienglück verhilft. Die neunzehnjährige Gesa steht kurz vor dem Abitur und will dann “etwas mit Kunst machen”. Aber was? Das weiß sie noch nicht so genau, denn alles könnte einfach wie bisher weiter laufen. Doch dann stirbt Wilko und das Leben der Familie Petersen wird auf den Kopf gestellt.

Trotz des dramatischen Todesfalls habe ich wirklich nette Stunden mit diesem Buch verbracht. Denn “Zwischen allen Wolken” ist eine leicht geschriebene Sommerlektüre, die einen trotzdem nicht mehr so leicht loslässt. Das Thema des Todes hat mich sehr bewegt, vor allem als Gesa mit der Zeit dahinter kommt, was an jenem Tag wirklich passierte. Ich bereue es nicht, das Buch gelesen zu haben. Aber…

Es gibt einige Unstimmigkeiten – Dinge, die mich ratlos gelassen haben. Ich möchte sie hier aufzählen:
* Die Beziehung zwischen Gesa und Malte, dem Inselschreiber, hat mich überhaupt nicht überzeugt. Sie verliebt sich in ihn, über seine Gefühle hat man nichts gewusst, aber plötzlich liegen sie im gleichen Bett und “sind zusammen” – um dann ziemlich schnell nicht mehr zusammen zu sein. Aber auch nicht wirklich auseinander. Ufff.
* Nach Wilkos Tod verschwindet sein Vater. Er läuft einfach davon, aber niemand fragt, wo er bleibt. Niemand macht sich Sorgen. Er ist einfach weg. Und dann ist er wieder da und – übrigens – er hat da auch mal so ein Kinderbuch geschrieben. Uffff.
* Dann ist da noch Oma Insa und ihr Freund bzw. Mitbewohner Piet. Plötzlich wird ein Familiengeheimnis enthüllt und – naja, ist ja nicht so wichtig – das wird dann gar nicht weiter verfolgt. Einfach abgehakt.
* Schon Flattersatz hat die Häufung des Wortes “cool” angesprochen. Ich stimme zu. Da es das einzige Wort aus der “Jugendsprache” in diesem Buch ist, wirkt es ein bisschen störend.

Mein Lieblingsprotagonist ist die (weibliche) Ente Jean-Pierre, die von Gesas Mutter nach Wilkos Tod ins Haus genommen und wie ein Familienmitglied behandelt wird. Jean-Pierre hat sogar ein eigenes Zimmer, ist oft beleidigt und so goldig, dass ich froh bin, dass ich keine Enten esse.

Ein kurzes Fazit? “Zwischen allen Wolken” hat mir gefallen, auch wenn ich einige Dinge bemängele. Da es aber gut und flüssig geschrieben ist, kann ich die kleinen Fehlerchen verzeihen. Eine schöne Urlaubslektüre, Herr Gantenberg, nach der auch ich gerne das Lachen der Sandflöhe hören würde.

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Eine Antwort auf Wo die Sandflöhe lachen und Enten die besten Haustiere sind…

  1. flattersatz sagt:

    … ja, die ente menschelt sehr….

    lg
    fs

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