[Gastrezension: Christina] F. Scott Fitzgerald “Die Straße der Pfirsiche”

Fitzgerald_Pfirsiche_01.inddScott Fitzgeralds erster Roman Diesseits vom Paradies machte den gerade einmal 23-Jährigen Autor über Nacht berühmt. Eine Erstauflage von 3000 Stück wurde innerhalb von nur drei Tagen verkauft. Die kleine Reisegeschichte „Die Straße der Pfirsiche“ wurde dennoch zunächst von populären Zeitschriften abgelehnt, letztendlich vom Magazin Motor für nur 300 Dollar abgedruckt, wo sie aber kaum Beachtung fand. Zum 75. Todestag des Autors erschien die Geschichte erstmals auf Deutsch im Aufbau Verlag.

Erzählt wird vom gemeinsamen Roadtrip Scotts und seiner Frau Zelda. Die beiden galten mit ihren regelmäßigen Eskapaden als das Glamour-Paar der 20er Jahre schlechthin. Partys und Alkohol gehörten immer dazu, warum also keine Reise mit dem alten „Rolling Junk“, einem Fahrgefährt mit „gebrochenen Rückgrat“, durch mehrere Bundesstaaten der USA und rund 1600 Kilometer von Connecticut in Richtung Alabama machen? Für das Paar reicht allein Zeldas Appetit nach Biscuits und Pfirsichen als Grund. Diese müssen sie natürlich in Zeldas Heimat verzehren, da die Leute dort „sehr schön und freundlich und glücklich wurden“. Und wenn schon einmal ganz unten in Alabama angekommen, kann man auch gleich noch Zeldas Eltern überraschen.

Gesagt, getan. Gelächter der Nachbarn beirrt das junge Paar nicht. Die Reise beginnt noch am selben Morgen und endet als Roadtrip mit vielen Hindernissen. Besonders der Rolling Junk macht Probleme. Fast jeder Stopp ist mit dem Gang zu einer Werkstatt verbunden. Das Auto verliert Reifen und Batterie und muss wegen anderen kleinen Leiden immer wieder verarztet werden. Mit vielen Personifikationen beschreibt Fitzgerald liebevoll den alten Wagen wie einen alten Freund, der zwar immer wieder nervtötende Gebrechen hat, auf den aber immer Verlass ist. Als er am Ende die beiden trotz aller Strapazen ans Ziel bringt – damit beide vor verschlossener Türe des Elternhauses stehen – gibt der alte Herr doch noch den Geist auf und nimmt als tragischer Held Abschied. Mit dem Rolling Junk verspottet Fitzgerald all jene der Roaring Twenties, für die ein Auto das wichtigste Statussymbol war.

Von Spontanität wie auf der Reise ist die Erzählung Fitzgeralds nicht geprägt. Bedächtig beschreibt er Land und Leute mit aufmerksamem Auge. Trotz der vielen Eindrücke, von denen beide auf ihrer Reise überschwemmt werden, ist die Erzählung nicht mit Details überladen. Spielerisch leicht und selbst ironisch erzählt Fitzgerald vom Roadtrip mit seiner Frau. Ich konnte mir fast nicht mehr vorstellen, welche Sorgen sie auf dem Weg hatten, wie sehr eigentlich ihre Geduld und Beziehung auf eine Probe gestellt wurden. Immerhin mussten sie sich Geld nachschicken lassen, da ihr treuer Rolling Junk das Geld nur so fraß, während das Paar jedoch fast ohne Dach überm Kopf verhungern musste.

Geprägt ist die Reisegeschichte vor allem von Bewunderung und Liebe zu Zelda. Selbst in den brenzligsten Situationen bleibt sie stark und weiß einen Ausweg. Sich selbst beschreibt Fitzgerald als schwach, fast schon als eine lächerliche Comicfigur. Die Streitereien haben zum Teil etwas Liebenswürdiges an sich, dennoch blitzt immer wieder hervor, wer die beiden in Wirklichkeit waren. Zelda nimmt kein Blatt vor den Mund, fast schon hysterisch lässt sie sich durch Blicke anderer Frauen provozieren und nervt mit ihrer Gereiztheit ihren Ehemann. Dieser wiederum entpuppt sich als Rassist, der beim Süden an “Schreckensbilder von blutrünstigen Negern, die sich in den bodenlosen Sümpfen verbargen” denkt. Angehängt sind der Erzählung über den Roadtrip Erinnerungen Zeldas. Fragmentarisch und zusammenhangslos erzählt sie von Reisen mit ihrem Ehemann, die ihr gerade in den Sinn kommen. In beiden Teilen geht es um Freiheit, Liebe, Sehnsucht und jugendlichen Irrsinn. Wer eine witzige und leichte, aber dennoch nachdenkliche Erzählung lesen möchte, der ist bei Die Straße der Pfirsiche genau richtig.

F. Scott Fitzgerald “Die Straße der Pfirsiche”, Aufbau Verlag, ISBN: 978-3-351-03612-6  

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Eine Antwort auf [Gastrezension: Christina] F. Scott Fitzgerald “Die Straße der Pfirsiche”

  1. sabine sagt:

    klingt sehr gut, hab ich gleich mal auf meine Wunschliste gesetzt :)

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