[Gastrezension: Kerstin] “Halva, meine Süße” von Ellen Alpsten

CYMERA_20150527_192335Eine Geschichte über Freundschaft und Liebe. Eine ziemlich emotionale und dramatische Geschichte sogar. Denn hier müssen die Protagonisten abwägen, was ihnen wichtiger ist: Freundschaft oder Familie? Liebe oder Ehre? Glück oder Pflicht?
Wohl keiner wünscht sich, in die Situation zu kommen, zwischen seiner Familie und seiner großen Liebe wählen zu müssen. Man wird immer zwischen den Stühlen stehen, versuchen, es jedem recht zu machen und dabei ziemlich bald selbst auf der Strecke bleiben. Denn welche Entscheidung ist die klügste? Diese Frage muss man ganz allein für sich abwägen – und dann mit den Konsequenzen leben können. Ohne Netz und doppelten Boden.

Ein “Vielleicht” oder ein “Bisschen” gibt es auch im Fall unserer Hauptprotagonistin Halva nicht. Sondern nur ein “Entweder – oder”. Endgültig und unwiderruflich.

Als Halva acht Jahre alt ist, ist ihre Familie gezwungen, ihre Heimat Teheran zu verlassen. Aufgrund politischer Verwicklungen droht dem Vater das iranische Gefängnis, in dem er unweigerlich grausamster Folter ausgesetzt wäre. Mit der Hilfe eines einflussreichen Freundes verlässt die Familie ziemlich überstürzt den Iran und richtet sich bald darauf ein Leben in Deutschland ein. Dieser einflussreiche Freund hat seine Kontakte jedoch nicht umsonst bemüht – es wurde ein Preis ausgehandelt, der erst viel später bezahlt werden soll.
Zehn Jahre später führt die Familie ein angenehmes Leben in Deutschland. Die Eltern haben ein persisches Café eröffnet, das sich großer Beliebtheit erfreut, die mittlerweile 18-jährige Halva steht kurz vor ihrem Schulabschluss und ihr älterer Bruder Mudi beginnt sein Jurastudium. Die Familie fühlt sich sehr wohl in Deutschland und die Kinder haben, obwohl die Traditionen des Islam lebendig gehalten werden, sämtliche Freiheiten.
Halva hilft regelmäßig im Café, denn nur sie kann Halva, eine klassische persische Süßspeise, der sie ihren Namen verdankt, zubereiten. Ihre Tante brachte ihr das Rezept kurz vor ihrem Weggang aus Teheran bei und Halva hat es seitdem im Herzen bewahrt. Es ist wunderschön beschrieben, wie Halva bei der Zubereitung aufblüht, wie sie ein regelrechtes Ritual daraus macht und wie sie jedes mal ihr ganzes Herzblut, ihre Stimmung und ihre Sehnsüchte in diese Süßspeise packt.
Überhaupt hat das Essen einen hohen Stellenwert in Halvas Familie. Dort wird gerne und oft gefeiert und natürlich wird dann auch jedes mal ein Festmahl aufgefahren. Appetit bekommt man auf jeden Fall bei der Lektüre dieses Romans.

Das Leben plätschert also gemütlich vor sich hin – bis zu dem Moment, in dem Halva sich verliebt.
Plötzlich ist alles anders.
Die sonst so gütigen und liebevollen Eltern verbieten, schimpfen, befehlen und verlangen Gehorsam. Pochen auf die Ehre der Familie. Mudi, zu dem Halva immer ein freundschaftliches Verhältnis hatte, wird zum regelrechten Wachhund. Und dann tauchen immer öfter Briefe aus dem Iran auf, die die Eltern sehr zu beunruhigen scheinen und vor Halva versteckt werden. Halva bekommt das Gefühl, dass zwischen ihr und ihrer Familie eine unsichtbare Mauer steht und kann sich nicht erklären, warum auf einmal alle gegen sie sind.

Der Leser kann sich allerdings schon sehr schnell zusammenreimen, was da im Busch ist und verfolgt Halvas Versuche, zwischen ihrem Freund Kai und ihren Eltern zu vermitteln, es allen recht zu machen, eine Lösung zu finden, mit der alle leben können. Die Lage spitzt sich trotzdem immer mehr zu. Halvas Familie lässt sie im Unklaren über die tatsächlichen Beweggründe und Halva ist irgendwann nicht mehr in der Lage, dem ständigen Druck standzuhalten. Sie muss sich entscheiden.

Im Großen und Ganzen ist “Halva, meine Süße” eine sehr angenehm zu lesende Geschichte. Einige Stellen fand ich persönlich allerdings ein wenig unlogisch, andere wiederum kamen mir zu plump oder Protagonisten kamen mir zu altklug ‘rüber.
Man sollte aber auch immer dabei bedenken , dass es sich hier um ein Jugendbuch handelt, das in erster Linie junge Menschen ansprechen sollte.
Für Jugendliche ist diese Geschichte meiner Meinung nach sehr empfehlenswert, denn sie regt zum Nachdenken an. Über die eigenen Ideale, darüber, mal über den Tellerrand hinwegzuschauen und darüber, sich auf fremde Kulturen, die eigentlich ja gar nicht so anders sind, einzulassen und offen und ehrlich durch die Welt zu gehen.

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