[Gastrezension: Kerstin] “Der Duft des Sussita”

HB_Scheer_24029_MR.inddRobert Scheer – “Der Duft des Sussita”
ISBN 978-3-446-24029-2
Hanser Berlin

Sussita? Nie gehört, nie gesehen. Was ist das? So ähnlich waren meine ersten Gedanken zu diesem Buch. Also flugs Google bemüht und siehe da: die Bezeichnung “Nahost-Trabbi” könnte passender nicht sein.
Mein Eindruck von diesem Auto: hübsch aber nicht modern, alt (kann also was aushalten, ist somit zäh und belastbar), irgendwie lustig.
Dieser Eindruck bestätigt sich durch den Rest des Buches. Nur, dass es nach dem ersten Kapitel nicht mehr um den Sussita sondern um das Land Israel und seine Bewohner geht. Oben genannte Adjektive treffen jedoch auf alle zu.

Das Buch besteht aus zwölf Kapiteln, die jeweils eine eigene Geschichte für sich beinhalten und dem Leser die Denkweise, die Eigenarten und den Charakter des israelischen Volkes nahebringen wollen. Manches davon mag durchaus autobiographisch sein, da der Autor einen Teil seines Lebens in Israel verbracht hat.

Kurzer Einblick in die Geschichten gefällig? Da geht es, wie schon geschrieben, um den Sussita, den Stolz einer jeden Familie. Wegen seines Materials und des Duftes desselbigen übt er allerdings auch eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf Kamele aus, die gerne mal an so einem Wagen herumknabbern. Wie kann man also so blöd sein, seinen Sussita auf einem Parkplatz (unbeaufsichtigt!!!) abzustellen, auf dem ein Schild extra vor Kamelen warnt?
Ein weiteres Problem in Israel: die Essensversorgung der Armee. Da diese Institution nicht selbst kochen will, wird eine private Firma engagiert, die “Front Catering GmbH”. Dumm nur, dass diese Firma sich nicht in die Kriegsgebiete traut und somit die Soldaten an der Front leer ausgehen.
Es gibt jedoch auch die ein oder andere Anekdote aus dem Freundes- und Verwandtenkreis des Autors. Die wilde, langhaarige Heavy Metal-Jugendzeit und Tel Aviv zur Partyhauptstadt erklärt.
Und immer wieder taucht Onkel Sauberger auf, der geschworen hat, nie wieder Fleisch zu essen. Ausser Schweinefleisch. Das aber am liebsten unkoscher und in rauhen Mengen. Die Ärzte wundern sich, dass er mit einem dermaßen hohen Cholesterinwert überhaupt noch lebt.
Onkel Sauberger hat jede Lage im Griff. Wenn nicht, dann tut er wenigstens so.

Die Schreibweise des Autors ist stellenweise recht gewöhnungsbedürftig. Vor allem die Monologe, die er manchen Protagonisten “andichtet”, die sich ohne Punkt und Komma über ganze Seiten erstrecken, sind nicht mein Fall. Man wird dabei unweigerlich sowohl an den ewig sabbelnden und wild herumhopsenden französischen Schauspieler Louis de Funés als auch an den ebenso sabbelnden Obdachlosen in Paul Austers Roman “Timbuktu” erinnert.

Alles in allem ist das Buch mit seinen 150 Seiten interessant, was die Sichtweise auf Israel und seine Einwohner angeht, manchmal etwas langatmig, zwischendurch immer wieder sehr lustig, ein wenig durchgeknallt und ab und zu auch unglaublich.
150 Seiten genügen allerdings auch, mehr müssten es nicht sein.

Ich würde hier 3 von 5 Sternen geben.

* * *

Für die heutige Gastrezension bedanke ich mich sehr herzlich bei Kerstin!

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